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Bodeneigenschaften

Nachfolgend werden kurz die wichtigsten Bodeneigenschaften, die für die Beurteilung eines Bodens hinsichtlich seiner weinbaulichen Nutzung primär entscheidend sind, dargelegt.

Bodenart (Boden-Textur): beschreibt und kennzeichnet die Zusammensetzung der mineralischen Bestandteile des Bodens nach ihrer vom Ausgangsgestein und dem Verwitterungsgrad abhängigen Zusammensetzung der Korngrößenverteilung. Grundsätzlich wird der Boden hinsichtlich seiner Korn-Fraktion in Feinboden (Bestandteile mit einem Durchmesser < 2 mm) und Grobboden (oft auch als Bodenskelett bezeichnet, Bestandteile mit einem Durchmesser > 2 mm) unterteilt.

Die Einteilung nach der Bodenart erfolgt allgemein auf Basis des Anteils bzw. der Verteilung der Korngrößenfraktion des Feinbodens, also entsprechend der prozentuellen Zusammensetzung der Fraktionen Sand, Schluff und Ton. Sand ist nicht klebend, nicht formbar und nicht rollbar. Die Bodenart „Lehm“ steht eigentlich für keine eigene Korngrößenfraktion, sondern wird als Mittelstellung im Korngrößendreieck mit nennenswerten Anteilen aller drei Bodenarten (Sand, Schluff, Ton) betrachtet. Lehm ist formbar, ausrollbar und druckfest, aber an der Fließgrenze nicht mehr klebend, Ton ist formbar, ausrollbar, druckfest und klebt bereits bei geringem Wassergehalt.
Genau ermittelt wird die Korngrößenverteilung im Labor auf Basis einer Bodenprobe. Bei der Bodenansprache vor Ort leistet jedoch auch die „Fingerprobe“ ein sehr gutes Hilfsmittel zur groben Beurteilung. Dabei wird der Boden zwischen Daumen und Zeigefinger gerieben und es kann bei einiger Übung auf Bindigkeit (Klebrigkeit), Formbarkeit (Ausrollbarkeit) u.a. geschlossen werden und damit auch auf die Bodenart.
Bodenart bzw. Korngrößenzusammensetzung des mineralischen Bodenmaterials
(nach ÖNORM L 1050)
Bodenartfraktion Durchmesser in mm Bezeichnung
Feinboden      
  < 0,002 Ton  (besonders feinkörnig)
  0,002 bis < 0,063 Schluff 
  0,063 bis < 2,0 Sand 
Grobboden
kantig gerundet
  2 bis < 63 Grus Kies
  63 bis < 200 Stein (Schutt) Schotter

> 200 kantige Blöcke gerundete Blöcke

Aus der Bodenart lässt sich im Weiteren die Bodenschwere ableiten. Die Kombination der drei Parameter Bodenschwere (lt. ÖNORM mit den fünf Bodenschwere-Klassen sehr leicht, leicht, mittelschwer, schwer, sehr schwer), Bodenart (lt. Österr. Bodenkartierung mit 13 Abstufungen der Bodenart) und Feinboden-Fraktion (Sand, Schluff, Ton) bietet der Praxis eine rasche, gute, übersichtliche Beurteilung des Bodens.

Böden mit sehr hohem Ton-Gehalt (sehr schwere Böden) z.B. sind bei der Fingerprobe bindig, klebrig, gut formbar. Sie sind dicht gelagert, schlecht durchlüftet, kalt, stark wasserhaltend, bei Austrocknung aber stark verhärtend und tiefgehend rissig, schlecht befahrbar und bearbeitbar.
Sandböden (sehr leichte Böden) zeigen sich bei der Fingerprobe nicht bindig, nicht formbar und verursachen keine schmutzigen Finger. Sie sind normalerweise locker gelagert, leicht erwärmbar, stark wasserdurchlässig, leicht austrockenbar, häufig nährstoffarm und meist immer bearbeitbar. Schluffreiche Böden (mittelschwere Böden) nehmen eine Zwischenstellung ein.
Die weinbauliche Bewertung der Bodenart ist aber immer im Konnex mit dem Grobanteil vorzunehmen.
Einteilung nach Bodenschwere und Feinbodenart
Bodenschwere Bodenart Feinboden
ÖNORM Symbol lt. Österr. Bodenkartierung
Sand Schluff Ton
        2,0 – 0,063 mm 0,063 – 0,002 mm < 0,002 mm
        in %
sehr leicht ll Sand S 65 – 100 0 – 30 0 – 10
  ll schluffiger Sand zS 40 – 70 30 – 55 0 – 5
leicht l lehmiger Sand lS 30 – 80 10 – 55 5 – 15
  l sandiger Schluff sZ 10 – 45 55 – 75 0 – 15
  l Schluff Z 0 – 25 75 – 100 0 – 25
mittelschwer m toniger Sand tS 65 – 90 0 – 10 10 – 25
  m sandiger Lehm sL 20 – 75 10 – 55 15 – 25
  m lehmiger Schluff lZ 0 – 30 55 – 75 15 – 25
schwer s sandiger Ton sT 50 – 75 0 – 10 25 – 40
  s Lehm L 5 – 65 10 – 55 25 – 40
  s schluffiger Lehm zL 0 – 20 55 – 75 25 – 45
sehr schwer ss lehmiger Ton lT 0 – 60 0 – 55 40 – 50
  ss Ton T 0 – 50 0 – 50 50 – 100

Grobanteil (Skelettanteil, Grobbodenmenge): darunter ist die Menge an Gesteinsteilchen (Kies, Stein, Schotter) mit einem Durchmesser >2 mm zu verstehen. Die Einstufung erfolgt je nach Volumsanteil (%) des Grobskeletts am Gesamtboden. Hoher Grobanteil verschlechtert die Wasserhaltekraft, begünstigt aber die Wasserinfiltration, Erwärmbarkeit und Tragstabilität bzw. Befahrbarkeit, reduziert die Verdichtungsneigung, „verdünnt“ den nährstoffrelevanten Feinerdeanteil, verursacht eine starke Abnützung der Bodenbearbeitungsgeräte. Bei der Beurteilung des Grobanteils ist jedenfalls die Härte des Ausgangsmaterials zu beachten.
Beurteilung des Grobanteils des Bodens
(lt. österr. Bodenkartierung)
Grobanteil in Vol. % Bezeichnung
0 – 10 gering
10 – 20 mäßig
20 – 40 hoch (stark)
40 – 70 sehr hoch
>70 vorherrschend

Gründigkeit, also die Mächtigkeit des Lockermaterial-Horizontes über dem festen Gestein oder vorwiegendem Grobanteil oder der extremer Verhärtung, gibt Auskunft über das vertikale Durchwurzelungspotenzial für die Rebe. Die Einstufung erfolgt nach den drei Kategorien tiefgründig (> 70 cm lockerer, durchwurzelbarer Horizont), mittelgründig (30-70 cm) und seichtgründig (< 30 cm).
In tiefgründigen Böden kann der potenzielle Durchwurzelungsbereich für die Rebe nicht nur durch rebenkultivierungsbedingte Bodenverdichtungen (insb. bei wenig Grobanteil und hohem Tongehalt) stark beeinträchtigt sein, sondern auch durch anstehenden Wassereinfluss (v.a. bei hydromorphen Böden). Bei Pseudogleyen hemmen sowohl der Staukörper (tonreicher Horizont über dem das Wasser staut) als auch die darüber liegende Stauzone (die bei temporär nicht versickerbarem Tagwasser keine ausreichende Durchlüftung zulässt). Bei Gleyen begrenzt von Natur aus ein hoch anstehender Grundwasserspiegel die Gründigkeit.
Beurteilung des Gründigkeit des Bodens
(lt. österr. Bodenkartierung)
Horizonttiefe des Lockermaterials Kategorie der Gründigkeit
<30 cm seichtgründig
30 – 70 cm mittelgründig
>70 cm tiefgründig

Bodenstruktur und Porosität: die Beurteilung der räumlichen Anordnung der festen bodenbildenden Teilchen, der Gefügeform und Aggregatgröße, ist für den Praktiker nicht leicht. Die Hohlraumverhältnisse zwischen den Aggregaten (Porenanteil für Luft- und Wasserspeicherung) entscheiden über die Lagerungsneigung (lose bis stark verdichtet).
Verdichtung: durch den zuletzt jahrzehntelangen Einsatz der Weingartenmaschinen ist sie in Form der Ausdehnung der Druckzwiebeln im vertikalen Tiefgang und in der Horizontalebene häufig anzutreffen.
Humusgehalt und Nährstoffversorgung: Als Humus wird die Gesamtheit der abgestorbenen organischen Bodensubstanz bezeichnet. Der Humus tritt in verschiednen Humusformen auf. In den Weinbaulagen sind die terrestrischen Humusformen (Mull, Moder, Rohhumus) am häufigsten anzutreffen. Bei hydromorphen Böden treten zudem Feuchthumusformen (wie z.B. Feuchtmull, Feuchtmoder, Feuchtrohhumus, Anmoorhumus) auf.
Die Bestimmung des Humusgehalts erfolgt bei der Bodenanalyse anhand des Anteils an organsichem Kohlenstoff im Boden. Im Gelände kann man den Humusgehalt auch aufgrund des optischen Eindrucks abschätzen. Je höher der Humusgehalt im Boden ist, desto dunkler ist er und desto feiner fühlt er sich an. Die höchsten Humusgehalte finden sich normalerweise im Oberboden. Humus dient im Boden als Nährstoffreservoir für die Pflanzen, er hat ein großes Adsorptionsvermögen, trägt zur Stabilisierung des Aggregatgefüges im Boden bei, und besitzt eine hohe Wasserspeicherkapazität. Zwischen Humusgehalt und biologischer Aktivität im Boden besteht eine enge Beziehung. Der Humusgehalt wird durch die Nachlieferung an organischem Material (Streu, Ernterückstände, Wurzelrückstände), Düngung und v.a. Bodenbearbeitung beeinflusst.
Die Einteilung des Humusgehaltes erfolgte gemäß der deutschen Bodenkundlichen Kartieranleitung in folgende Klassen:
Einstufung im Humusgehalt
Masse - % Bezeichnung
0 humusfrei
<1 sehr schwach humos
1 bis <2 mittel humos
2 bis <4 stark humos
4 bis <8 sehr stark humos

Kalkgehalt (Carbonatgehalt): bezeichnet im Wesentlichen den Anteil an Calciumcarbonat und Calcium-Magnesium-Carbonat (Calcit und Dolomit) im Feinboden. Abhängig ist dieser in erster Linie vom Ausgangsgestein. Daneben können aber auch durch bodenbildende Prozesse (Carbonatverwitterung, Entkalkung, Auswaschung) sowie Aufkalkung der Böden, beachtliche Veränderungen in bestimmten Bodenhorizonten eintreten.
Die Bestimmung des Kalkgehaltes erfolgt vorteilhafterweise durch eine Bodenanalyse im Labor. Im Gelände kann vor Ort bei entsprechend großer Erfahrung ein grobes Abschätzen des Kalkgehaltes durch Beträufeln des Bodens mit einer 10 %-igen Salzsäure vorgenommen werden.
Bezüglich des Kalkgehaltes ist der wichtige Hinweis angebracht, sehr genau auf die verschiedenerorts sehr unterschiedlichen Einstufungen zu achten. Um Rebflächen vergleichen zu können und insbesondere eine bessere Entscheidungshilfe für die Wahl der zukünftigen Rebunterlage zu ermöglichen, wurde in Anlehnung an die deutsche bodenkundliche Kartieranleitung ein eigenes, neues diffizileres Einteilungsschema für den Kalkgehalt des Feinbodens für Weingartenflächen erarbeitet.
Einteilung des Kalkgehaltes des Feinbodens von Weingärten
Österreichische Bodenkartierung Richtlinien zur Sachgerechten
Düngung im Weinbau
Eigene Einstufung
Stufe CaCO3 (%) Stufe CaCO3 (%) Stufe CaCO3 (%)
kalkfrei 0 kalkfrei/kalkarm 0 – 2 kalkfrei 0 – 0,5
kalkarm < 0,5
schwach kalkhaltig 0,5 – 1,5 kalkarm 0,5 – 2
mäßig kalkhaltig 1,5 – 5,0        
niedrig 2 – 15 schwach kalkhaltig 2 – 10
stark kalkhaltig > 5,0
kalkhaltig 10 – 15
   
mittel


15 – 30

kalkreich 15 – 25
sehr kalkreich 25 – 50
hoch 30 – 40
sehr hoch > 40
    extrem kalkreich 50 – 75

Kationenaustauschkapazität (KAK) repräsentiert die Menge der am Sorptionskomplex (insb. am Humus und Tonminerale) austauschbar gebundenen Kationen eines Bodens, insbesondere von Ca++, Mg++, Na+, K+, bei sauren Böden auch Al+++, Fe+++, H+ und NH4+. Ihre Angabe erfolgt in cmolc/kg Boden (entspricht der früher üblichen Einheit mval/100 g). Ton- und humusreiche Böden verfügen über eine höhere Sorptionskraft und folglich über eine höhere KAK als beispielsweise humusarme Sandböden. Normalerweise liegen die Gehalte zwischen 2 und 40 in cmolc/kg Boden. In Österreich sollte lt. den Richtlinien für sachgerechte Düngung (2003) der Sorptionskomplex weinbaulich genutzter Böden im Optimalbereich folgendermaßen belegt sein: Ca++ 60-90 %, Mg++ 5-15 %, Na+ <1% und K+ 3-4 %.
Elektrische Leitfähigkeit ist das Maß für den Salzgehalt eines Bodens und wird in Mikrosiemens angegeben. Bei 1000-1500 µS/cm ist eine leichte Versalzung gegeben, ab 4000 µS wird von einem Salzboden gesprochen
Feldkapazität (FK) gibt die Wassermenge an, die ein Boden gegen die Schwerkraft zu halten vermag. Definiert wird sie als die Menge des Bodenwassers (als Volumenanteil in % oder in mm Wassersäule), die in den Bodenporen<50 µm oder bei einer definierten Saugspannung von pF > 1,8 gebunden ist bzw. konventionell als der Wassergehalt (in Vol.-%), der nach 2-3 Tagen voller Wassersättigung ermittelt wird (Speicherfeuchte).
Nutzbare Feldkapazität (nFK) ist die Menge des Bodenwassers (als Volumenanteil in % oder in mm Wassersäule), die in den Bodenporen mit einem Äquivalentdurchmesser zwischen 50-0,2 µm oder bei einer definieren Saugspannung zwischen pF 1,8 und 4,2 gebunden ist. Berechnet wird sie aus der Differenz zwischen Feldkapazität und permanentem Welkepunkt (Masse-%, Vol.-%, 1 m-3, mm dm-1).
Nutzbare Feldkapazität im effektiven Wurzelraum (nFKWe) ist die nutzbare Feldkapazität des Bodens bezogen auf die effektive Durchwurzelungstiefe. Sie ist die Summe des für Pflanzen ausschöpfbaren Bodenwassers und errechnet sich durch Multiplikation der nFK mit der effektiven Durchwurzelungstiefe.
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